Sackgasse Kernkraft

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Warum Kernkraftwerke keine Alternative bei der Stromproduktion in Deutschland sind.

Regelmäßig werden immer wieder Rufe nach Atomstrom laut, wenn es darum geht eine sichere Energieversorgung für unser Land zu konzipieren. War es denn ein Fehler funktionierende Kraftwerke einfach aus dem Netz zu nehmen?

Nun, vereinfachend könnte man sagen, die Kernkraftwerke in Deutschland sind verschwunden und keiner hat’s gemerkt. In der Tat war der Anteil von Atomstrom an der gesamten Produktionsmenge auch vor 10 Jahren schon kleiner als 15%. Die Erneuerbaren Stromquellen haben das längst um ein Vielfaches kompensiert.

Der Ruf nach neuen Kernkraftwerken ist absurd. Ein Neubau ist extrem teuer, mit langen Bauzeiten und Genehmigungsprozeduren behaftet und wie man im Ausland sieht, auch mit massiven Kostenüberschreitungen verbunden.

Im Gegensatz hierzu liefern erneuerbare Energien den Strom heute zu deutlich günstigeren Preisen und sie sind sofort einsatzbereit und skalierbar.

Die Problematik mit dem Rückbau von Atommeilern, deren Entsorgung und Endlagerung verursachen dauerhafte Folgekosten, die oft vom Staat getragen werden.

Hierzu gehört auch das Endlagerproblem des hochradioaktiven Abfalls, der über hunderttausende Jahre sicher gelagert werden muss. Bis heute gibt es kein betriebsbereites Endlager in Deutschland, so dass die Verantwortung hiermit nur auf zukünftige Generationen verlagert wird.

Was gerne falsch dargestellt wird – Kernkraft ist nicht erneuerbar. Uran ist ein endlicher Rohstoff der überwiegend importiert werden muss. Damit sind die gleichen Abhängigkeiten von „kritischen“ Förderländern verbunden wie bereits mit Öl oder Gas. Das widerspricht dem Ziel von energiepolitischer Unabhängigkeit komplett.

Auch wenn es oft anders dargestellt wird, die Transformation der Energielandschaft ist in vollem Gange. Neue Kernkraftwerke kämen erst in 10-20 Jahren ans Netz und damit für das Erreichen der Klimaziele (2030/2040) viel zu spät

Es gibt auch keinen vernünftigen Grund sich den Risiken durch Unfälle, Sabotage, Krieg, Terror auszusetzen, denn potenzielle Schäden sind bei Atommeilern katastrophal und großräumig.

Erneuerbare und Kernkraftwerke passen nicht ins gleiche System.

Kernkraftwerke sind sog. Grundlastkraftwerke. Man kann sie nicht schnell mal an- oder abschalten. Sie sind daher für ein flexibles Stromsystem mit viel Wind- und Solarstrom komplett ungeeignet. Passende Komponenten zu einem flexiblen Netz gibt es in großer Zahl. Pumpspeicherwerke, wasserstoffbasierte Systeme und schnelle Batteriespeicher erfüllen die Anforderungen wesentlich besser.

Kernkraftwerke, wie auch Kohlekraftwerke sind sogar in hohem Maß kontraproduktiv, da sie durch ihre Trägheit eine Abschaltung der erneuerbaren Energiequellen erzwingen. Billiger Strom aus erneuerbarer Energie müsste zu Gunsten des teuren Atomstroms abgeregelt werden und bliebe ungenutzt.

Die enormen Herstellungskosten würden Kapital binden und Investitionen für erneuerbar Energien, den Netzausbau, Speicher und Effizienzmaßnahmen verhindern.

Damit werden nur alte fossile Strukturen verfestigt. Leider gibt es eine strake Lobby, die das fossile Zeitalter durch gezielte Beeinflussungen verlängern möchte.

Wer noch an die Massenproteste in den 1970 Jahren miterlebt hat weiß, dass es in Deutschland eine historisch starke Ablehnung gegen die Kernkraft gab, die sicherlich noch im kollektiven Gedächtnis verankert ist.

Mit der Energiewende und ihren dezentralen Lösungsansätzen, besteht jetzt die einmalige Chance eine demokratisch und bürgernah geregelte Energieversorgung aufzubauen und unabhängig von geopolitischen Machtspielchen zu werden. (PB)

Quellenverzeichnis:

Fraunhofer ISE, Energy Charts – Stromerzeugung in Deutschland, Freiburg i. Br., fortlaufend aktualisierte Daten, abrufbar unter: https://www.energy-charts.info
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK), Energiedaten: Gesamtausgabe, Berlin, diverse Jahrgänge, abrufbar unter: https://www.bmwk.de
Agora Energiewende, Die Energiewende im Stromsektor: Stand der Dinge, Berlin, verschiedene Studien und Hintergrundpapiere, abrufbar unter: https://www.agora-energiewende.de
International Energy Agency (IEA), World Energy Outlook, Paris, jährliche Ausgabe, abrufbar unter: https://www.iea.org
Organisation for Economic Co-operation and Development / Nuclear Energy Agency (OECD/NEA), The Costs of Decarbonisation: System Costs with Nuclear and Renewables, Paris, abrufbar unter: https://www.oecd-nea.org
Lazard, Levelized Cost of Energy Analysis (LCOE), New York, aktuelle Ausgabe, abrufbar unter: https://www.lazard.com
Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE), Endlagersuche und Entsorgung radioaktiver Abfälle, Berlin, abrufbar unter: https://www.base.bund.de
Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE), Stand der Endlagersuche in Deutschland, Peine, abrufbar unter: https://www.bge.de
Bundesrechnungshof, Berichte zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung, Bonn, verschiedene Berichte, abrufbar unter: https://www.bundesrechnungshof.de
World Nuclear Association, Uranium Resources and Supply, London, abrufbar unter: https://world-nuclear.org
International Atomic Energy Agency (IAEA), Nuclear Safety Review, Wien, verschiedene Ausgaben, abrufbar unter: https://www.iaea.org
United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR), Sources and Effects of Ionizing Radiation, New York, abrufbar unter: https://www.unscear.org
International Energy Agency (IEA), Power System Flexibility, Paris, abrufbar unter: https://www.iea.org


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